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Medien – Info: Typografie

Zum Wochen-Anfang gleich ein wenig „Bildung“:

TYPOGRAFIE – wir haben alle täglich damit zu tun, aber was ist das eigentlich?

 

Der Begriff Typographie geht zurück auf die Worte „typos“ (Abdruck, Abbild, Form) und „graphein“ (schreiben, einritzen). Man versteht darunter die Lehre von der Form und Gestaltung der Schriftzeichen, im weiteren Sinne auch der Gestaltung von Druckwerken durch Texte (und Abbildungen), wodurch eine Überschneidung mit Aufgaben des Layouts erfolgt.

Benutzt man den Begriff im engeren Sinne, so könnte Typografie folgendes meinen:

Es ist die Lehre von

  • den einzelnen Buchstaben
  • der Zusammenfügung einzelner Buchstaben
  • der Zusammenfügung von Buchstaben zu Wörtern und von Wörtern zu gliedernden Elementen wie Zeilen, Absätzen, Textblöcken, Spalten.

Die Typografie beschäftigt sich also – im Gegensatz zum Layout – mit den Grundelementen der Textgestaltung, mit den Mikroelementen.

 

Typografie und Layout verfolgen gleichzeitig ein doppeltes Ziel, nämlich das der optimalen Lesbarkeit und das der ästhetischen Schönheit. Ein Text soll also gut lesbar und zugleich im ästhetischen Sinne schön sein.

Bei der Gestaltung sollten die didaktisch – informationelle Absicht und das künstlerisch – gestalterische Anliegen parallel verfolgt werden, denn ein schlecht lesbarer Text wird kaum ästhetisch schön sein, wie umgekehrt ein schön gestaltetes Dokument, nicht nur schön, sondern auch gut lesbar sein sollte.

 

Was ist nun schlecht lesbar?

Ist der Abstand zwischen zwei Wörtern zu groß, will das Auge unwillkürlich in die nächste Zeile abrutschen und muss vom Gehirn zurückgehalten werden, weil das Weiterlesen scheinbar keinen Sinn ergibt.

Ist der Buchstabenabstand so, dass zwei Buchstaben zu weit voneinander entfernt sind, muss entschieden werden, ob das ein Wort ist oder zwei. Stehen die Buchstaben zu eng beieinander, so können sie miteinander verschmelzen – „r“ und „n“ scheinen ein „m“ zu sein. Das alles geschieht für den Leser unbewusst, aber er ist in Wahrheit ein wenig abgelenkt. Fesselt ihn der Inhalt wenig, kann das ein Anhaltspunkt für ihn sein, das Lesen abzubrechen.

Wurde bei den bisher genannten Komponenten alles richtig gemacht, so ist gute Lesbarkeit noch immer nicht garantiert: Ebenso kommt es auf das gesamte Layout an. Dieses sollte spannungsreich, aber doch harmonisch sein. Zu spannungsreich wird das Layout in jedem Fall, wenn man den typischen Anfängerfehler macht, möglichst alle verfügbaren Schriften in einem Text zu benutzen – hier gilt: weniger ist oft mehr.

Auch die Papieroberfläche und Papierfärbung spielen für die Lesbarkeit eine Rolle. Glänzende Papiere erschweren die Lesbarkeit, die Färbung des Papiers muss mit der Schrift abgestimmt werden. Sehr feine Schriften oder Schriften mit ausgeprägtem Strichstärkekontrast sind auf hochweißem Papier schwer lesbar.

 

Hier ein paar Grundregeln für Typografie und Layout:

  • Gestaltung bedeutet auch das Erstellen und Anerkennen von „Regeln“, die jedoch keine Tabus formulieren, sondern nur Fingerzeige darstellen können – gute Gestaltung verstößt eben meistens auch gegen eine oder mehrere dieser Regeln.
  • Inhaltliche und ästhetische Strukturen sollen zusammenpassen und einander ergänzen, kommentieren, bespiegeln.
  • Grundsätzlich müssen gestaltete Form und Inhalt zueinander passen, was besonders für die Wahl der Schriftart gilt.
  • Das Druckmedium (vom wissenschaftlichen Buch über die Webseite bis zum Werbeflyer) ist in Betracht zu ziehen.
  • Es ist zu bedenken, dass das gleiche Medium auch für unterschiedliche Anlässe eingesetzt werden kann (ein Flyer für eine Dichterlesung wird sich von einem für ein Bierfest unterscheiden).
  • Weniger ist oft mehr … – strenge Typografie erzeugt oft bessere Wirkungen als überbordendes Layout. Dies gilt besonders bei der Schriftenwahl und der Auswahl und Platzierung grafi scher Elemente.
  • Entweder völlig gleich oder deutlich verschieden… – gestaltungsbestimmende Elemente nicht nach Belieben verändern, gleiche oder deutlich unterschiedliche Schriften verwenden.
  • „Bei der Komposition müssen Wertigkeiten wie Volles – Leeres, Geteiltes – Ungeteiltes,
    Helles – Dunkles in ihrer Größe, in ihrer Lage und in ihrer Beziehung zueinander (ihrer Nachbarschaft) so bemessen werden, dass sich Spannungsverhältnisse entwickeln, die in ihrer Gesamtheit den Eindruck einer Harmonie ergeben.“
    Hildegard Korger: Schrift und Schreiben, Leipzig 1975, S. 26